Presseinformation

Anfang April ist an der TU Dresden ein Graduiertenkolleg gestartet, das
Wissenschaftler auf eine neue Ära der Teilchenphysik vorbereiten soll

Die Elementarteilchenphysik hat mit den Grundregeln ihres
„Standardmodells" unser Naturverständnis in den letzten Jahrzehnten
entscheidend vorangebracht. Mit der Inbetriebnahme des neuen „Large
Hadron Colliders“ (LHC), dem weltgrößten Teilchenbeschleuniger am
Europäischen Laboratorium für Teilchenphysik CERN, steht die Menschheit
jedoch am Beginn einer neuen Ära, von der gänzlich neue Entdeckungen zu
erwarten sind, die über das Standardmodell hinausgehen.

Hier setzt das neue, universitätsübergreifende Graduiertenkolleg „Masse,
Spektrum, Symmetrie – Teilchenphysik in der Ära des Large Hadron
Colliders“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit Arbeitsgruppen
in Dresden, Berlin und Zeuthen (Brandenburg) an. Gemeinsam beteiligen
sich die Teilchenphysiker unter anderem am ATLAS-Experiment des LHC, und
gemeinsam mit der nächsten Generation von Physikerinnen und Physikern
wollen sie die spannende Zeit der langjährigen experimentellen und
theoretischen Forschung am und rund um den LHC miterleben und
mitgestalten. So werden 16 Doktorandenstellen und sechs
Qualifizierungs­stipendien in dem neuen Kolleg finanziert, das seine
Arbeit im April 2009 aufgenommen hat und vorerst bis Ende Oktober 2013
laufen soll.

Prof. Michael Kobel, Leiter des Instituts für Kern- und Teilchenphysik
der TU Dresden und stellvertretender Sprecher des Kollegs, schildert, wo
in den nächsten Jahren die Schwerpunkte der Forschung liegen werden:
„Mit dem Standardmodell verfügen wir über eine revolutionäre Theorie,
die - außer der Gravitation –  alle Kräfte und Wechselwirkungen in
unserem Universum nicht nur beschreibt, sondern sogar ihre Ursache
aufgedeckt hat: Elegante fundamentale Symmetrien der Natur. Zur
Vervollständigung wird der LHC die einzig noch offene Frage des
Standardmodells beantworten, nämlich wie Teilchen zu ihrer Masse kommen.
Unsere Arbeitsgruppe in Dresden wird mit der Suche nach Higgs-Teilchen
überprüfen, ob tatsächlich ein unsichtbares Medium, das Higgsfeld, die
Massen verursacht. Dies würde uns einen weiteren Schritt näher an die
Beantwortung der Frage bringen, warum das Universum gerade so ist, wie
es ist; gerade so, dass Sterne, Planeten, und Leben entstehen konnten.
Gelänge uns darüber hinaus der Nachweis der letzten noch nicht
entdeckten Symmetrie, der so genannten Supersymmetrie, so könnte das
leichteste der supersymmetrischen Teilchen die mystische Dunkle Materie
im Universum erklären, und so eine direkte Brücke zur
Astroteilchenphysik schlagen. Durch die in 2008 erfolgte Neubesetzung
der Arbeits­gruppen von Prof. Stöckinger, Prof. Zuber und Jun. Prof.
Straessner bietet unser Institut eine enge Zusammenarbeit von Theorie,
Neutrino-Astroteilchenphysik und LHC-Physik und kann neu gewonnene
Erkenntnisse sofort in der Lehre umsetzen. Die gemeinsame Beteiligung am
Graduiertenkolleg mit Berlin und DESY erlaubt nun eine noch breitere
Ausbildung der nächsten Generation von Teilchenphysikern.“

In der Region Sachsen stellt die TUD auf dem Gebiet der
Elementarteilchenphysik einen wichtigen Anziehungspunkt für Studierende
und Graduierte dar. Ein neu konzipierter Zyklus von insgesamt elf
Vorlesungen auf dem Gebiet der Teilchen- und Strahlungsphysik
verzeichnete im Sommersemester 2008 Rekordbeteiligungen. Ein
Hauptseminar zu aktuellen Themen der Kern- und Teilchenphysik, ein
Laborpraktikum und eine jährliche Exkursion zum CERN runden das
Lehrangebot ab. Das Institut für Kern- und Teilchenphysik wird überdies
vom Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen der TU
Dresden (ZIH) unterstützt. Momentan stehen den Teilchenphysikern hier
128 Rechenprozessoren und mehrere Terabyte Plattenplatz zur Verfügung,
um ihre Forschungsergebnisse auszuwerten.

Exzellente Diplom- und Masterstudierende des neuen Studienprogramms
können nun einen schnelleren Zugang zur Promotion nutzen. Und die
Promovierenden werden sich in der Theorie breite Kenntnisse aneignen, um
auf mögliche Paradigmenwechsel in der Teilchenphysik, die aus der
Entdeckung neuer Teilchen am LHC resultieren könnten, vorbereitet zu
sein. Aber auch jenseits der Wissenschaft bieten sich den teilnehmenden
Teilchenphysikern anschließend vielfältige, teilweise unkonventionelle
Karrierewege an, zum Beispiel im Bereich der Unternehmensberatung,
Informationstechnologie, bei Finanzdienst­leistern und im Risikomanagement.

„In den kommenden Jahren wird sich zeigen, welche über das
Standardmodell hinausreichenden  Konzepte in der Natur realisiert sind“,
sagt Prof. Kobel. „Die Kombination detaillierter Messungen am LHC,
experimenteller Unter­suchungen der Eigenschaften von Neutrinos und
theoretischer Einbettung in neue Symmetrien wie der Supersymmetrie
könnte neue fundamentale Erkenntnisse liefern, die von der Möglichkeit
einer  supersymmetrischen Vereinigung aller zwischen den Teilchen
wirkenden Kräften bis zu kosmologischen Fragen wie etwa der Asymmetrie
zwischen Materie und Antimaterie reichen“, ist der Teilchenphysiker
überzeugt.

Informationen für Journalisten:

Prof. Michael Kobel
Tel. 463-39880
E-Mail: kobel@physik.tu-dresden.de <>.
Webseite des neuen Graduiertenkollegs: 
<>

 

Dresden,07. April 2009

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Pressestelle TU Dresden
01062 Dresden
Tel. 0351 463-32398
Fax 0351 463-37165


 

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