Presseinformation

Prof. Dieudonné Njamen aus Yaoundé untersucht die medizinische
Wirksamkeit tropischer und subtropischer Heilpflanzen. Mit einem
Humboldt-Stipendium forscht er ab 1. April für ein halbes Jahr am
Institut für Zoologie der TU Dresden

Es war ein in Dresden studierender Cousin, der den jungen Kameruner
Professor Dieudonné Njamen darauf aufmerksam machte, dass am Institut
für Zoologie der TU Dresden das Thema „Hormonelle Aktivität von
Pflanzenextrakten" besondere Aufmerksamkeit erfuhr. Der Kontakt zu Prof.
Günter Vollmer war dann schnell hergestellt. Der Dresdner Professor für
Molekulare Zellphysiologie und Endokrinologie besuchte den Kollegen in
Yaoundé.

Der Anfang einer jeden Untersuchung ist der Besuch einheimischer Heiler
durch das Team in Yaoundé. Die Heiler werden mit der Frage konfrontiert,
was wäre die beste Medizin für diese oder jene Krankheit? Die Ergebnisse
dieser Befragung wertet Prof. Njamen aus, besorgt die entsprechenden
Heilpflanzen und extrahiert diese in Zusammenarbeit mit seinen Kollegen
aus der Organischen Chemie an der Heimatuniversität. Prof. Njamen kam
mit diesen wertvollen Extrakten im Gepäck nach Dresden um sie  nun
während eines halbjährigen Aufenthaltes in Dresden, den ihm die
Alexander von Humboldt-Stiftung ermöglicht, auf biologische Aktivitäten
zu testen.

Achtzig Prozent aller Einwohner von Ländern südlich der Sahara vertrauen
immer noch auf traditionelle medizinische Behandlung, versuchte
Dieudonné Njamen den Dresdner Biologen anfangs zu erklären. Zwar gibt es
durchaus Krankenhäuser, aber die meisten seiner Landsleute könnten die
dortigen Arztrechnungen nicht bezahlen. Beim hoch angesehenen Heiler des
heimatlichen Dorfes zahlen sie für eine Behandlung dagegen ein Hühnchen
oder ein traditionelles Essen. Zur medizinischen Anwendung kommen dabei
ausschließlich Pflanzen und nicht, wie beispielsweise im asiatischen
Raum noch immer weit verbreitet, tierische Extrakte.

Medizinisches Wissen wird in Kamerun zumeist von Mund zu Mund
weitergegeben: von den Vorfahren an die Heiler, aber auch von Patient zu
Patient. Um die Wirksamkeit und zuallererst die Gefahrlosigkeit der
Heilpflanzen wissenschaftlich zu untersuchen, fragte Njamen deshalb
alle, die an dem alternativen Heilungsprozess teilhaben: die Verkäufer
auf dem Markt, die Heiler selbst – und auch ehemalige Patienten.
Aufgezeichnet hat Njamen die Namen der Pflanzen, ihre zur Behandlung
verwendeten Teile, die je nach Heilpflanze aus Wurzeln, Blättern, Rinde
oder Früchten bestehen, und wie sie aufbereitetet und angewendet werden.
Dann versucht er, die beschriebene Pflanze durch Exkursionen zu ihren
natürlichen Standorten zu beschaffen und analysiert ihre
biologisch/biochemische Wirksamkeit. Oft empfohlen wurden ihm etwa die
Blüten des Korallenbaums (Erythrina); „Babana" heißen bestimmte
Gattungen, „Engam" oder „Oyo", je nach Stammessprache. Und, so hieß es
immer wieder, diese Blüte dürfe nur nach Mitternacht oder an einem ganz
bestimmten Ort gepflückt werden.

Einige der überlieferten Anweisungen ließen sich wissenschaftlich
erklären, sagt der Pflanzenforscher. So ist die Wirkstoffkonzentration
mancher Pflanzen nun mal zu bestimmten Tages- oder Jahreszeiten am
höchsten. „Wichtig ist, dass wir versuchen, diese Anweisungen
wissenschaftlich zu untermauern oder zu widerlegen, und so vielleicht
dazu beitragen, dass eine wirksame medizinische Versorgung in
Drittweltländern bezahlbar und nachhaltig wird. In den letzten Jahren
haben wir deshalb beispielsweise 30 Auszüge von 18 Pflanzen untersucht,
die Heiler gegen Wechseljahresprobleme empfohlen haben. Wir fanden
heraus, dass nur fünf dieser Pflanzen überhaupt eine biochemische
Wirkung ausübten, wobei ein Extrakt mit vermutlich positiver Wirkung
verworfen werden musste, weil er sich in Zellkultur als toxisch erwies.
Der nächste Schritt liegt auf der Hand: die wissenschaftlichen
Erkenntnisse müssten in Workshops und Weiterbildungen an die Anwender
und afrikanischen Heiler fließen. Doch dafür fehlt im Moment das Geld.
Die Entscheidungsträger des Landes Kamerun wissen kaum etwas von den
akademischen Interessen und Nöten vor Ort, gibt der Professor zu.

 

Informationen für Journalisten
Prof. Günter Vollmer
Tel.  0351 463-31922
E-Mail: guenter.vollmer@tu-dresden.de

 

Dresden, 30. März  2009

--
Pressestelle TU Dresden
01062 Dresden
Tel. 0351 463-32398
Fax 0351 463-37165



 

© Copyright HKB. All Rights Reserved.